Gartenarchitektur in China

Die chinesische Gartenarchitektur hat eine lange Tradition. Bekannt ist, dass schon ca. 3.000 v. Chr. erste chinesische Gartenanlagen existierten. Wie auch in Europa wurden die ersten Gartenanlagen vom Adel, speziell von den Kaisern, angelegt. Später leisteten sich dann auch wohlhabende Kaufleute und höhere Beamte private Gärten.

Bunte Blume in chinesischem Garten

Das Prinzip des chinesischen Gartens ist nicht das Herausstellen einzelner Pflanzen oder Pflanzengruppen, sondern die gewollt künstliche Komposition einer ungewöhnlichen, aber harmonischen Landschaft. Als Gestaltungselemente dienen hierzu künstlich angelegte See und Wasserläufe, im Zick-Zack verlaufende Brücken – oft ohne Geländer, Steine, Hügel, Gebäude und ungewöhnliche geformte Pflanzen. Es soll eine Harmonie zwischen den sieben Elementen Erde, Himmel, Steine, Wasser, Gebäude, Wege und Pflanzen erreicht werden. Im 6. Jahrhundert wurde die chinesische Gartenarchitektur nach Japan exportiert und wurde dort zur Grundlage der weltweit bekannten japanischen Gärten. Auch die Technik der Bonsai-Zucht stammt ursprünglich aus China.

Die Gestaltungselemente des chinesischen Gartens

Die Gebäude sind aus dunklem Holz, oft auch Holzgitter oder Bambus. Die Wände sind weiß gekalkt und die Dächer bestehen aus Tonziegeln. Als Gebäude findet man Hallen, die an allen vier Seiten offen sind, damit man die Landschaft ungestört betrachten kann. Sehr beliebt sind auch Pavillons, achteckige Aussichtshäuschen, Wandelgänge und Trockenboote. Diese Trockenboote werden über Wasserflächen gebaut und dienen zur Meditation. Gebäude sind ein wesentliches Gestaltungselement des chinesischen Gartens und nehmen einen beachtlichen Teil der zur Verfügung stehenden Fläche ein.

Die Hügel der Landschaft werden meist aus Steinen geformt. Einzelne große, besonders geformte Steine werden auch wie Skulpturen einzeln aufgestellt. Der in Europa für die Gartengestaltung so beliebte Edelstahl kommt hier höchstens in Form einer Skulptur vor.

Eine große Rolle bei der Landschaftsgestaltung spielt Wasser in Form von Seen, Wasserläufen oder Wasserfällen. Die Brücken werden in Zick-Zack-Form angelegt, damit die bösen Geister, die nur geradeaus gehen können, nicht über die Brücken gelangen. Auch die Wege im chinesischen Garten sind gewunden. Damit wird erreicht, dass immer nur ein Teilausschnitt des Gartens zu sehen ist. Der Garten ist von einer Mauer umgeben.

Pflanzen im chinesischen Garten

Im traditionellen chinesischen Garten werden nur eine begrenzte Anzahl von Pflanzen verwendet, wobei Blumen keine so große Rolle spielen wie Bäume. Jede der traditionell verwendeten Pflanzen hat ihre spezielle Bedeutung. Die knotigen Teile des Bambusstängels symbolisieren die Stufen auf dem Weg zur Erleuchtung, gleichzeitig gilt er, wegen seiner Geschmeidigkeit, als Symbol für langes Leben. Die Kiefer gilt als Symbol der Männlichkeit. Die Trauerweide und der Pflaumenbaum zeigen den Frühlingsbeginn an und die Winterkirsche gilt als Symbol des Mutes, da sie schon an frostfreien Tagen im Januar die ersten Blüten öffnet. Die Chrysantheme steht für Zähigkeit und Tapferkeit, weil sie im unwirtlichen Herbst blüht. Die Seerose gilt als Symbol der Reinheit und die Päonie als Symbol für Reichtum.

Berühmte chinesische Gärten

Der Neue Sommerpalast in Peking:
Diese Gartenanlage wurde 1764 fertiggestellt. Nachdem sie 1860 im Verlauf des 2. Opiumkrieges zerstört worden war, wurde sie zwischen 1885 und 1895 neu angelegt. Seit 1924 ist dieser Garten für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute ist er eine der größten Touristenattraktionen Pekings.

Der kaiserliche Sommerpalast in Chengde:
Dieser Garten liegt ca. 250 km nordöstlich von Peking. Mit einer Größe von 5,6 km² ist er die größte kaiserliche Gartenanlage Chinas. Er ist von einer 10 km langen Steinmauer umgeben. Diese Gartenanlage wurde um 1790 errichtet. Seit 1962 steht der Sommerpalast auf der Liste der Denkmäler Chinas.

Der Beihai-Park in Peking:
Die Anfänge dieses Parks liegen im 12. Jahrhundert. Seine Wahrzeichen sind die „weiße Pagode“ und die „Neun-Drachen-Mauer“. Die „weiße Pagode“ wurde 1651 erbaut. Da sie auf einem Hügel steht, ist sie weithin sichtbar. Die 1402 erbaute „Neun-Drachen-Mauer“ ist 6m hoch, 1,6 m dick, 25,5 m lang und mit 427 mehrfarbigen Reliefs aus glasierten Kacheln verkleidet. Diese stellen neun spielende Drachen dar.

Chinesische Gärten in Deutschland

Seit den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts sind auch in Deutschland einige chinesische Gärten angelegt worden.

Garten von Duft und Pracht in München:
Er ist Teil der asiatischen Nationengärten im Westpark, die im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 1983 errichtet wurden. Der Garten wurde von Gärtnern aus Kanton geplant und angelegt.

Chinesischer Garten in Bochum:
Dieser Garten wurde 1986 im botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum angelegt. Er ist von einer Mauer umgeben und ca. 1.000 m² groß. Auch er wurde von chinesischen Spezialisten angelegt, die hierzu Originalteile aus China importierten.

Garten des himmlischen Friedens in Frankfurt/Main:
Er wurde 1985 in einem Teil des Bethmann-Parks angelegt. Der chinesische Garten ist 4.000 m² groß und von einer Mauer eingefasst.

Garten des wiedergewonnenen Mondes in Berlin:
Der Name dieses, im Jahr 2000 angelegten, Parks bezieht sich auf die Wiedervereinigung der geteilten Stadt. Er liegt im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und ist mit 2,7 Hektar der größte chinesische Garten Europas. Auch er wurde von chinesischen Fachleuten und mit importiertem Material angelegt.

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